
Kreistag im Neuberinhaus
Zwei Jahre Linke, ein Jahr Kreistag, so sieht die Geschichte bei mir aus. Begonnen hat sie ein paar Jahre zuvor, geprägt durch das Erlebte in der Arbeitswelt und im Alltag. Hätte mir damals jemand gesagt, du sitzt in einigen Jahren im Vogtlandparlament, dann hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt. Nicht dass ich recht unpolitisch war, ganz im Gegenteil, meine Gedankenwelt war hochpolitisch – es war nur vom Kopf noch nicht in die Hände und Füße gerutscht. So geht das sicher vielen Anderen auch. Auch als ich aus Begeisterung über das historische Projekt den Sessel der Bequemlichkeit verließ und in die LINKE eintrat, dachte ich nicht im geringsten daran, mich im Kreistag zu tummeln. Zu dieser Zeit war mein Entschluss allerdings schon soweit, dass ich etwas aktiv verändern wollte, nur wie? Eines schönen Tages rief mich Michaele an, als ich gerade auf Arbeit Mundharmonikas
für den Versand kontrollierte. Sie fragte mich, ob ich es mir vorstellen könnte, mich zur Kreistagswahl aufstellen zu lassen. Ich war etwas überrascht, aber da ich irgend etwas an den Zuständen ändern wollte, erklärte ich mich dazu bereit, ohne die geringste kommunalpolitische Erfahrung und ohne wirklich zu wissen was mich erwartet. Es war zwar ein Sprung ins kalte Wasser, aber im Rückblick eine gute Entscheidung, denn man lernt am schnellsten, wenn man gefordert wird.
Meine ersten Erfahrungen in der Fraktion waren geprägt von vielen Verfahrensdingen, die mir bisher fremd waren. Auch fand ich mich nun inmitten einer bunten Fraktion wieder, mit vielen unterschiedlichen Charakteren, jeder mit seinen Fehlern und mit seinen Stärken – eine unglaublich bunte Zusammenstellung. Das ist aber auch gut, denn schließlich wollen wir als LINKE mehr als alle anderen Parteien für Freiheit und Pluralismus stehen. Ich war unglaublich stolz, dass ich die Möglichkeit bekam, mich an der Gestaltung unserer Gesellschaft aktiv zu beteiligen.
Im Kreistag selbst war die Arbeit spannend aber häufig erfolglos, da man konsequent gegen alles stimmte, was wir vorschlugen. Auch die ehemalige Arbeiterpartei SPD glänze hier mit Anpassung an das Stimmverhalten von CDU, leider. Im Bildungsausschuss machte sich schnell bemerkbar, welche Verantwortung beim einzelnen Kreisrat liegt. Mittlerweile ist vieles schon Routine geworden und ich kann mich auch immer mehr darauf konzentrieren, was ich politisch im Kreistag erreichen will. Ein großer Raucher hat einmal gesagt, „wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“. Ich stelle dem entgegen, dass der, der keine Visionen mehr hat, die Perspektive zur Veränderung unserer Gesellschaft fehlt. Es braucht auch im Vogtland Alternativen zu den Konzepten der CDU und dieser kreativen Aufgabe, werden wir uns als LINKE im vogtländischen Kreistag stellen müssen. Ich bin gespannt auf die nächsten Jahre im Kreistag und freue mich auf gute Ideen und Debatten.
kommentiert: